Die Mitglieder der Johannesgemeinschaft
wollen die drei evangelischen Räte leben sowie den dreifachen Bund,
der uns im Johannesevangelium offenbart wird :
Der Bund mit Jesus in der Eucharistie, Quelle der Einheit
zwischen stiller Anbetung und liturgischem Stundengebet. Diese Liturgie
ist einerseits der monastischen Liturgie sehr ähnlich, andererseits
ist sie vereinfacht, damit sie den Anforderungen des apostolischen Lebens
gerecht wird und damit mehr Zeit für das gemeinsame stille Gebet
bleibt.
Der Bund mit Maria, Mutter und Hüterin des Wachstums im
Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe und somit göttliches „Milieu“
des kontemplativen Lebens. In diesem Bund mit Maria – da nahm sie
der Jünger zu sich (Joh 19, 27) - gründet die Einheit der brüderlichen
Liebe im gemeinsamen Leben.
Der Bund mit Petrus, in einem kindlichen Gehorsam gegenüber
dem Heiligen Vater, Nachfolger des hl. Petrus, und den Bischöfen.
So können wir treu und tief aus der lebendigen Tradition der Kirche
leben.
Die Weihe
an die Hl. Dreifaltigkeit kann nur wirklich gelebt werden durch das Opfer
Christi, des Hohenpriesters, der sich als Ganzopfer der Liebe des Vaters
hingibt. Jedes Mitglied der Gemeinschaft will deshalb aus dem Priestertum
Christi leben. Dieses kostbarste Geschenk seines Priestertums, das Christus
seiner Kirche hinterlassen hat, wird ergänzt (nach Kol 1, 24) durch
das königliche Priestertum der Gläubigen und das Amtspriestertum.
Daher möchten alle, wie der hl. Johannes und mit ihm, in einem Leben
nach dem Evangelium Jesus folgen bis zum Kreuz, wo der geliebte Sohn des
Vaters sein priesterliches Werk vollendet. Aus diesem kontemplativen Priestertum
leben heißt, zuerst alles im inneren Gebets von Gott zu empfangen.
So können sie diese Liebe dann denen weitergeben, die danach dürsten.
Dadurch verherrlichen sie den Vater und helfen den Menschen von heute, die
Anbetung und die brüderliche Liebe wiederzuentdecken.
Jesus
bittet den Vater für seine Apostel: „Heilige sie in der Wahrheit;
dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17, 17). In diesem Licht wollen die Brüder
ihre Hingabe leben und brauchen deswegen eine fundierte intellektuelle Ausbildung.
Wie Johannes möchten sie ihren Verstand in den Dienst der Liebe stellen
und als treue Zeugen der Kirche dienen. Diese demütige Suche nach der
Wahrheit reinigt den Intellekt und die Phantasie und trägt zur Reinigung
des Herzens bei, die der Hl. Geist und Maria bewirken. Diese Reinigung ist
notwendig, damit die Liebe frei wird und damit Jesus sie immer mehr an sich
ziehen kann. „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht“ (Joh 3,
21).
Das Zweite Vatikanische
Konzil wünschte eine Öffnung zur Welt hin. Daher umfasst die Ausbildung
ein Philosophiestudium, um den Menschen, seine Finalität und seine
Sehnsüchte besser zu verstehen. Die großen aktuellen Probleme,
die sich dem Christen heute stellen, werden betrachtet. In unserer Welt
gibt es viele Ideologien, oft atheistische, die das Abbild Gottes im Menschen
entstellen und ihn hindern, seinen Intellekt in den Dienst der Liebe zu
stellen. Die philosophischen Studien stehen ihrerseits im Dienst der theologischen
Ausbildung; und die theologische Forschung stützt sich auf die Kenntnis
des Wortes Gottes gemäß der kirchlichen Überlieferung der
Kirchenväter und des hl. Thomas von Aquin. In dieser Weise soll das
Geheimnis unseres Erlösers Jesus Christus in seiner Fülle und
Aktualität vermittelt werden. Jedes Mitglied der Gemeinschaft will
der Verpflichtung der Kirche nachkommen, das Erbe des Glaubens verständlich
und überzeugend an die Menschen unserer Zeit weiterzugeben (vgl. Evangelii
Nuntiandi, 3).
In diesem
Sinne hat die Gemeinschaft die Johannesschule gegründet, deren Studiengang
neben den Brüdern und Schwestern auch allen offen steht, die sich dafür
interessieren. Hier soll die Weisheit in ihren drei Bereichen – Philosophie,
Theologie und Mystik – unablässig vertieft werden.